Nachhaltige Geldanlage

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Immer mehr Hersteller und Dienstleister preisen ihre Angebote als besonders nachhaltig an. Dieser Trend nimmt auch bei der Geldanlage rasant Fahrt auf.

 

Doch bevor wir klären, ob und wie Nachhaltigkeit und Kapitalanlage zusammen passen, zunächst einmal zur Entstehung und Definition des Begriffs Nachhaltigkeit.

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit und wie ist der Begriff entstanden?

Die Grundidee der Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und wurde um 1560 formuliert. Der Begriff der Nachhaltigkeit selbst wurde dann erstmals 1713 in einer Publikation gebraucht, die von der nachhaltigen Nutzung der Wälder handelte.

 

Dem voraus ging die radikale Abholzung von Wäldern für den Bergbau in Sachsen. Dies brachte Bergbau- und Forstunternehmen zunächst einen immensen Boom, als der Wald schließlich weg war aber große Existenznot. Das forstwirtschaftliche Prinzip lautet daher, dass nicht mehr Holz gefällt werden darf, als zeitgleich nachwachsen kann.

 

Den modernen Begriff der Nachhaltigkeit prägte schließlich die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland. Brundtland veröffentlichte 1987 als damalige Leiterin der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung einen Bericht mit dem Titel "Our Common Future" ("Unsere gemeinsame Zukunft"). Ihre Definition von Nachhaltigkeit und nachhaltiger Entwicklung gilt bis heute:

Definition Nachhaltige Entwicklung von Bro Harlem Brundtland

 

Einige Jahre später fand der Begriff Nachhaltigkeit auch im Wirtschaftsleben Verwendung und wird dort inzwischen fast inflationär genutzt.

 

Nachhaltigkeit bei der Geldanlage

Nicht nur das Ergebnis zählt – sondern auch der Weg dorthin

Auch bei der Nachhaltigen Geldanlage gelten die Gesetze der Kapitalanlage. Man steckt seine individuellen Voraussetzungen und Ziele (z.B. Kapitaleinsatz, Anlagedauer, Renditeerwartung oder Risikobereitschaft) ab und investiert auf deren Basis. Immer mit dem Ziel, einen dafür angemessenen Ertrag zu erwirtschaften.

 

Als weitere Dimension kommt nun eben noch der Nachhaltigkeitsansatz hinzu. Es wird nicht ausschließlich auf das zu erwartende finanzielle Ergebnis geschaut, sondern eben auch darauf, wie und womit es erzielt wird. Den harten wirtschaftlichen Faktoren werden dazu ökologische, ethische und soziale Kriterien bei der Anlageentscheidung zur Seite gestellt.

 

Berücksichtigung der sogenannten ESG-Kriterien

Nachhaltig investieren bedeutet nicht nur “grün“ oder ökologisch anzulegen, sondern umfasst neben der Umwelt auch die angesprochenen ethischen und sozialen Komponenten. Diese drei Faktoren werden neudeutsch als ESG-Kriterien bezeichnet. Dabei steht E für Environment (Umwelt), S für Social (Soziales) und G für Governance (Führung). Letzteres meint die gute Unternehmens-, Organisations-, oder Staatsführung.

ESG-Kriterien_Environment_Social_Governance

Die Grundidee der Nachhaltigen Kapitalanlage

Die Gesellschaft kann in unterschiedliche Gruppen unterteilt werden, die sich gegenseitig beeinflussen. Der Gesetzgeber schafft einen Rahmen darum, der bereits grundsätzliche Dinge regelt. Verbraucher bestimmen durch ihre Nachfrage maßgeblich das Angebot der Unternehmen. Aber auch Kapitalgeber (Investoren) haben einen Einfluss, der nicht unterschätzt werden sollte: Sie stellen mit ihren Geldern die Realisierung sicher (oder verhindern bzw. erschweren diese).

 

Verbreitung von Waffen (Beispiel):

Hier kann der Staat regeln, ob überhaupt Waffen an die Bevölkerung verkauft werden dürfen. Falls ja, bestimmt jeder Einzelne, ob er sich eine Waffe zulegt oder nicht (ohne Nachfrage entsteht kein großer Markt). Und letztendlich bestimmen auch die Kapitalgeber, ob Sie Waffenhandel und –produktion durch Kredite oder Beteiligung am Unternehmen unterstützen. Steht wenig Kapital dafür bereit, steigen die Kosten für Kredite und das Waffengeschäft ist nicht mehr so lukrativ…

 

Aus der Erkenntnis, dass Kapitalgeber und Investoren eine nicht unerhebliche Macht haben, erwächst allerdings auch eine entsprechende Verantwortung. Dieser Verantwortung tragen Nachhaltige Geldanlagen Rechnung.

 

Die unterschiedlichen Ansätze bei Nachhaltigen Geldanlagen

So unterschiedlich das Verständnis von Nachhaltigkeit ist, so verschieden sind die Konzepte, die Anbieter mit ihren nachhaltigen Investmentfonds oder ETFs verfolgen. Für Anleger macht das die Suche nach den passenden Produkten nicht unbedingt einfach. Dafür ermöglicht das breite Angebot, dass nahezu jedes individuelle Ziel umgesetzt werden kann. Einige der gängigen Ansätze sind:

 

Ausschlusskriterien

Bei vielen nachhaltigen Investmentfonds und ETFs verhindern Ausschlusskriterien die Investition in besonders problematische Bereiche. In Deutschland werden beispielsweise folgende Ausschlusskriterien angewandt:

  • Menschenrechtsverletzungen
  • Korruption und Bestechung
  • Kohle/fossile Brennstoffe
  • Waffen und Rüstung
  • Kernenergie
  • Alkohol

Fonds und ETFs, die solche Ausschlusskriterien haben, investieren grundsätzlich nicht in Aktien oder Anleihen von entsprechenden Unternehmen. Oftmals werden für solche kontroversen Geschäftsfelder allerdings Umsatzgrenzen (z.B. eine Schwelle von 5% am Gesamtumsatz) gesetzt oder eine genauere Differenzierung (Beispiel Alkohol: Herstellung und Vertrieb von Bier und Wein ist in Ordnung, nicht aber von härteren Getränken) vorgenommen. Bei der Anlage in festverzinslichen Wertpapieren von Ländern (Staatsanleihen), können entsprechend Papiere von Staaten, die beispielsweise Atomwaffen besitzen oder die Todesstrafe anwenden, ausgeschlossen sein.

 

Best-in-Class

Verfolgt ein Fonds oder ETF den Best-in-Class-Ansatz, wird grundsätzlich in alle Branchen investiert. Innerhalb jeder Branche (Klasse) werden allerdings die jeweils nachhaltigsten Unternehmen ausgewählt. Dabei stützt man sich in der Regel auf die Bewertung nach ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung). Bei der Auswahl von Staatsanleihen gibt es ebenso Positiv-Kriterien, die für eine Aufnahme im Fonds oder Index sprechen (z.B. verhältnismäßig geringe Rüstungsausgaben, dafür hohe Investitionen in Bildung und Gesundheitswesen).

 

Auf den ersten Blick mag dieser Ansatz etwas schwammig und weniger streng wirken, da eben in alle Wirtschaftszweige investiert wird. Der Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit kann aber sehr hoch sein. Denn gerade in wenig nachhaltigen Branchen (z.B. Energie- oder Rohstoffgewinnung) – die aber für unser modernes Leben relevant sind – können Anstrengungen der Unternehmen besonders viel bewirken. Der Ansatz ist pragmatisch und betrachtet das große Ganze. Um wirklich ungewollte Investments zu vermeiden, wird der Best-in-Class Ansatz in der Praxis oft zusätzlich mit Ausschlusskriterien kombiniert.

 

Impact-Investments

Während beim Best-in-Class Ansatz darauf geachtet wird, wie ein Unternehmen geführt wird (anhand der ESG-Kriterien), kommt es beim Impact Investing auf den “Impact“ (die Wirkung) an. Was trägt das Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung bei?

 

Die Vereinten Nationen haben insgesamt 17 Ziele für eine globale nachhaltige Entwicklung definiert. Diese Ziele dienen oft als Maßstab bei der Beurteilung, ob Produkte oder Dienstleistungen helfen, die Welt nachhaltiger zu machen.

Ziele für nachhaltige Entwicklung

In diesem Bereich werden derzeit viele Verfahren entwickelt und Daten gesammelt, um die positive Wirkung objektiver mess- und vergleichbar zu machen.

 

Nachhaltige Investmentthemen

Es gibt auch Investmentfonds und ETFs, die ganz gezielt in bestimmte nachhaltige Themenbereiche investieren. Beispiele dafür sind:

  • Wasserfonds (sauberes Wasser, Wassereffizienz, Wasserverteilung, Wassermanagement)
  • New Energy Fonds (Windkraft- und Solaranlagen, intelligente Netze, Energieeffizienz)
  • Kreislaufwirtschaftsfonds (Abfallvermeidung, Recycling, Weiternutzung von Produkten)
  • Mikrofinanzfonds (Finanzierung von Kleinunternehmern in Entwicklungsländern)

Solche “Themenfonds/-ETFs“ investieren zwar meist global, können aber teilweise sehr fokussiert sein. Sie eignen sich eher als Ergänzung, denn als einzelne Anlage.

 

Die Grenzen sind fließend

Eine klare Abgrenzung der Ansätze untereinander ist manchmal nicht möglich. Wie bereits erwähnt, nutzen viele Best-in-Class-Fonds auch Ausschlusskriterien. Ein anderes Beispiel: Ein Klimawandel-Aktienfonds ist sowohl den Impact-Investments, als auch den nachhaltigen Anlagethemen zuzuordnen. Letztendlich kommt man kaum umhin, sich die einzelnen Fonds oder ETFs genauer anzuschauen und zu vergleichen.

 

Sind Nachhaltige Geldanlagen mit einem Verzicht auf Rendite verbunden?

Beschäftigt man sich mit der Nachhaltigen Geldanlage, kommt früher oder später eine Frage auf: Bekomme ich das gute Gefühl ökologisch, ethisch und sozial korrekt (oder zumindest korrekter – aber dazu kommen wir später noch) zu handeln umsonst, oder muss ich dafür möglicherweise auf einen Teil der Rendite verzichten? Die Frage ist nicht unberechtigt, denn umsonst gibt es selten etwas.

 

Tatsächlich existieren bereits zahlreiche Studien zu dieser Thematik. Die kommen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen – was auch an der Durchführung und Intension der jeweiligen Auftraggeber liegen mag.

 

Grundsätzlich ist ein ressourcenschonendes und damit umweltfreundliches Handeln sehr wirtschaftlich: Mit geringem Einsatz viel bewirken! Dies trifft besonders zu, wenn man beim Einsatz von Ressourcen die realen Kosten und nicht nur die zu tragenden berücksichtigt.

 

Unternehmen, die Mitarbeiter fair behandeln, haben eine motivierte Belegschaft und können gute Leute an sich binden. Gute Unternehmensführung und das Einhalten von Gesetzen kann teure Skandale verhindern. Negativbeispiel ist hier der Dieselskandal, der die deutsche  Automobilindustrie viel Reputation und Geld gekostet hat.

 

Nachhaltiges und wirtschaftliches Handeln sind also keine Gegensätze, sondern begünstigen sich im Idealfall sogar. Nachhaltige Geldanlagen verfolgen auch klar das Ziel, Gewinne zu erwirtschaften und haben keinen Spendencharakter. Natürlich sind auch bei der Nachhaltigen Kapitalanlage wichtige Grundsätze wie beispielsweise die Risikostreuung (regional, nach Sektoren und Anlageklassen) zu beachten. Dann sehen wir aber keinerlei Nachteile beim Ertrag.

 

Das gute Gewissen gibt es also tatsächlich gratis!

Nachhaltigkeit_Zitat_Joachim Gauck

Mitmachen und nachhaltig investieren!

Wenn Sie ihr Geld wirklich nachhaltig - also nach Kriterien der Nachhaltigkeit und langfristig erfolgreich anlegen wollen - bieten wir mehrere Angebote zur Auswahl.

 

Wir setzen in unserer Beratung grundsätzlich nur auf streng regulierte Investmentfonds und ETFs. Sie sind uns auch willkommen, wenn Sie bislang “konventionell“ investiert haben und sich an das Thema Nachhaltigkeit erst langsam herantasten. Nachhaltige Fonds oder ETFs können ein Depot zunächst nur ergänzen und die nachhaltige Ausrichtung kann mit uns auch schrittweise vollzogen werden. Wir freuen uns über jeden nachhaltig investierten Euro, sind aber nicht dogmatisch, was dieses Thema angeht. Sie geben Tempo und Richtung vor.

 

Mit unserer Vermögensbetreuung stimmen wir Ihre Vorstellungen individuell mit Ihnen ab und können genau auf Ihre Wünsche eingehen. Eine sehr bequeme Anlagelösung für Sie stellt unsere Vermögensverwaltungsstrategie Nachhaltig ausgewogen RI mit Fonds und ETFs dar. Ist das Depot einmal eingerichtet, müssen Sie sich hier um nichts mehr kümmern.

 

Ergänzend zu Vermögensbetreuung oder Vermögensverwaltung bieten wir auf Wunsch nachhaltige Investitionen in Sachwerte wie beispielsweise Solar- oder Windkraftanlagen über Alternative Investmentfonds an.

 

Falls Sie noch über kein oder nur ein geringes Startkapital verfügen, ist die Nachhaltige Geldanlage bei uns im Rahmen der Anlageberatung ebenfalls möglich – mit einem Sparplan in speziell ausgerichtete Investmentfonds.

 

Sprechen Sie uns an, wir finden gemeinsam die optimale Lösung für Sie.

 

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